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KDP - Ein Erfahrungsbericht

Updated: Apr 10

Liebe Leserinnen und Leser,


vielleicht habt ihr es bereits bemerkt, vielleicht auch nicht: Mein Buch war seit knapp über einem Monat nicht mehr auf Amazon verfügbar. Der Grund dafür war folgender: Ich habe mein Amazon KDP-Konto gekündigt.


Doch bevor ich darauf eingehe, sollten wir wohl am Anfang beginnen...




Was ist KDP?

KDP (Kindle Direct Publishing) ist der Self-Publishing-Service von Amazon, der es Autorinnen und Autoren ermöglicht, ihre Bücher hochzuladen und auf Amazon zu verkaufen. Zusätzlich bietet KDP die Möglichkeit, Werbung für die eigenen Werke zu schalten, entweder durch bezahlte Online-Anzeigen ähnlich wie bei Google Ads oder durch besondere Deals und Rabatte, um potenzielle Leser auf die Werke aufmerksam zu machen. Darüber hinaus gibt es das "KDP Select"-Programm, bei dem eBooks angemeldet werden können, damit Leserinnen und Leser mit Kindle Unlimited die eBooks kostenlos lesen können, wobei die Autorinnen und Autoren pro gelesene Seite bezahlt werden.


Der Beginn meiner KDP-Reise

Am 1. Januar 2022 habe ich mein eBook auf KDP hochgeladen, ohne große Erwartungen an die Verkaufszahlen zu haben. Für mich war es hauptsächlich ein Hobby, und KDP schien eine gute Lösung zu sein, insbesondere aufgrund von hilfreichen Tools wie "Kindle Create", mit dem man seine Word- oder PDF-Dateien einfach in ein eBook-Format umwandeln kann, ohne viel Formatierungsarbeit zu leisten. Nach einigen Wochen begann mein eBook Fahrt aufzunehmen, was hauptsächlich an den geschalteten Amazon-Anzeigen lag. Durch meinen Beruf hatte ich dahingehend nämlich Erfahrungen.


Bis heute habe ich etwa 1.700 eBooks verkauft und über das Kindle Select-Programm wurden über 8,4 Millionen Kindle-Seiten gelesen - was in etwa 5,800 verkauften Exemplaren entspricht. All dies hat es mir ermöglicht, mich komplett selbstständig zu machen, und für zwei Jahre lief alles wunderbar. Deshalb plante ich bereits, sowohl das Taschenbuch des ersten Bandes über Amazon drucken zu lassen und den zweiten Band meiner fünfteiligen Serie auf der Platform zu veröffentlichen.


Das (abrupte) Ende meiner KDP-Reise

Am Morgen des 5. März 2024 erhielt ich eine E-Mail von KDP: Mein Buch entspräche nicht den Nutzungsbedingungen und somit waren mein KDP-Konto und mein Vertrag gekündigt worden. Es gab keine detaillierte Erklärung, gegen welche Nutzungsbedingungen ich verstoßen haben soll. Ich war geschockt, denn mein Buch enthielt keine anstößigen Inhalte oder Plagiate. Vom Cover bis zum Text ist mein Buch ein Originalwerk. Außerdem hatte ich überwiegend positives Feedback von Lesern und Leserinnen erhalten. 90% meiner Rezensionen waren 5 Sterne Rezensionen und insgesamt hatte ich eine Sternebewertung von 4,5 mit über 1.400 Bewertungen.


Die Suche nach dem "Warum"

Wenn man sein Buch bei Kindle Select anmeldet, gibt man Amazon Exklusivrechte an seinem Werk. Das bedeutet, dass man sein Buch nirgendwo sonst anbieten darf. Da mein Buch bei Kindle Select angemeldet war, war mein erster Gedanke, dass ich unwillentlich gegen jene Exklusivrechte verstoßen habe. Seit Ende Januar 2022 gibt es nämlich einige Piratenseiten, die mein Buch illegal verbreiteten.


Ich wandte mich also sofort an das Amazon-Team, und schilderte ihnen meine Situation. Nach einigen Stunden erhielt ich eine Antwort: Man benötigte mehr Zeit, um meinen Fall zu überprüfen. Man entschuldigte sich noch für die Verzögerung und Unannehmlichkeiten und sagte mir, man würde innerhalb der nächsten 5 Werktage wieder mit mir in Kontakt treten. 


Ganz ehrlich, ich war mit den Nerven am Ende. 5 Tage sind eine lange Zeit in der Schwebe, besonders dann, wenn man nicht weiß, ob man sein Buch je wieder auf Amazon verkaufen darf. Wenn man nämlich einmal auf Amazon blockiert ist, dann kann man auch durch keinen anderen Publisher mehr über Amazon verkaufen. Man ist sozusagen dauerhaft auf Amazons schwarzer Liste. Ich kann mir auch gut vorstellen, dass selbst Verlage keine Autoren oder Autorinnen unter Vertrag nehmen, die auf Amazon blockiert sind. Ich hatte das Gefühl, als ob man mir den Boden unter den Füßen weggerissen hätte, zumal ich, seitdem ich denken kann, immer eine Autorin habe sein wollen. 


Dennoch zwang ich mich, die fünf Tage zu warten. Tagsüber war mir schlecht und nachts konnte ich kein Auge zumachen. Ich war ein Schatten meiner selbst, sah ich doch meinen Traum am seidenen Faden hängen. Die fünf Tage verstrichen und… niemand antwortete mir.


Ich schrieb also noch eine Email, wartete wieder ein paar Tage. Nichts. Während dieser Zeit habe ich viel im Internet recherchiert und bin auf unzählige ähnliche Fälle wie meinen gestoßen. Horrorgeschichten von aufstrebenden Autorinnen und Autoren, die nach vielen Jahren und etlichen veröffentlichten Werken auch plötzlich und oftmals ohne weitere Erklärung gekündigt wurden. Natürlich weiß ich nicht, wie viel Wahrheitsgehalt in diesen Erfahrungsberichten steckt, aber einige Dinge waren wohl doch möglich: Zum einen können fremde Leute einfach behaupten, dass sie das IP Recht des Buchs besitzen. Anstatt bei dem Autor oder der Autorin nachzufragen, werden sie wohl automatisch gesperrt. Dann gilt es zu beweisen, dass man das IP Recht besitzt. Zum anderen ist es fremden Leuten auch möglich, sich über den Inhalt zu beschweren. Wenn sich zum Beispiel jemand an einer Handlung oder einer Aussage stört, könnte das Buch ebenfalls gesperrt werden. Langsam kamen mir also Zweifel, woran meine Sperrung nun wirklich lag und das schürte meine Angst und bewog mich dazu, einen Anwalt einzuschalten. 


Mithilfe dieses Anwalts habe ich ein Schreiben verfasst, einen so genannten “Appeal”. Es schien wohl für die Anwälte recht klar zu sein, dass der bot, der mein Amazon Konto suspendiert hat, durch die Raubkopien getriggert worden ist, denn sie fokussierten den Appeal ausschließlich darauf. Nach ein paar Tagen war das zweiseitige Dokument fertig und ich konnte es an das Amazon Content Review Team abschicken. Wieder war warten angesagt… und plötzlich bekam ich eine Antwort: Amazon hätte mein Konto fälschlicherweise geschlossen und es nun wieder geöffnet. Erleichterung!


Ich bin sofort zu meinem Laptop gestolpert und habe mich eingeloggt, nur um herauszufinden, dass mein Konto zwar freigeschaltet war, mein Buch jedoch weiterhin blockiert wurde. Es folgte ein weiterer Appeal, bis auch mein Buch endlich wieder freigegeben wurde. Zu diesem Zeitpunkt hatte es jedoch sein Ranking verloren - in anderen Worten: Ich hätte vermutlich sehr lange daran arbeiten müssen, es überhaupt wieder für potenzielle Leser und Leserinnen auf der Plattform sichtbar zu machen. Darüber hinaus habe ich natürlich auch kein Einkommen erhalten für die Zeitspanne (etwa einen Monat), in der mein Konto und mein Buch fälschlicherweise gesperrt waren.


Die Vor- und Nachteile von Amazon KDP im Überblick

Ich habe lange überlegt, ob ich überhaupt einen Blogeintrag verfassen sollte und habe mich schließlich dafür entschieden, denn hätte ich gewusst, was ich jetzt weiß, hätte ich mir zwei Mal überlegt, über KDP zu veröffentlichen. Denn obwohl KDP gute Möglichkeiten für Self-Publisher bietet, gibt es auch Risiken, denen man sich bewusst sein sollte, und die möchte ich euch angehenden Autoren und Autorinnen nicht vorenthalten:


Pros

  • Tools: Amazon bietet selbst technisch weniger versierten Autorinnen und Autoren einfache Möglichkeiten, eBooks zu erstellen, beispielsweise mit "Kindle Create".

  • Einkommen: Besonders durch KDP Select lässt sich ein gutes Einkommen erzielen. Amazon vergibt sogar jeden Monat einen "All Star Bonus" an Autorinnen und Autoren besonders beliebter eBooks.

  • Support: Der Support ist fast jederzeit über Chat, Telefon und E-Mail erreichbar und antwortet schnell und freundlich.

  • Werbung (Ads): Amazon erlaubt Autorinnen und Autoren, Werbung zu schalten. Mit etwas Wissen über Bids und Keywords kann man damit ordentlich Gewinn machen. Es gibt auch kostenlose Kurse mit Zertifikat sowie Seminare dazu.

Cons

  • Künstliche Intelligenz (AI) und Bots: Amazon wird zunehmend von KI und Bots kontrolliert. Obwohl es natürlich schwer möglich ist, jedes Buch auf Qualität zu überprüfen, räumt Amazon den Bots meiner Meinung nach zu viel Macht ein, was zu plötzlichen Kontosperrungen führen kann.

  • Schuldig bis zum Beweis der Unschuld: Kontosperrungen erfolgen oft ohne klare Erklärung. Dennoch wird von Autorinnen und Autoren erwartet, ihre Unschuld zu beweisen. Man kann es sich so vorstellen: Von einem Tag auf den anderen seid ihr angeklagt und steht vor Gericht. Man droht euch mit lebenslanger Haft und ihr könnt ihr nur entkommen, wenn ihr in der Lage seid zu beweisen, dass ihr das vorgeworfene Verbrechen nicht begangen habt... ohne zu wissen, um was für ein Verbrechen es sich handelt.

  • Amazon, und nur Amazon: Im Gegensatz zu anderen Verlagen wie BoD, Tolino oder Tredition, die Bücher auch in herkömmlichen Buchläden und auf allen E-Readern anbieten können, ist man bei Amazon auf... Amazon beschränkt. Obwohl es im US-Markt Möglichkeiten gibt, Bücher für Buchhändler verfügbar zu machen, steckt dies (soweit ich weiß) noch in den Anfängen.


Mein Fazit

Trotz der positiven Aspekte wie den einfachen Tools und dem guten Einkommen durch KDP Select entschied ich mich gegen eine weitere Zusammenarbeit mit KDP.


Die Kontosperrung hat mir ein für alle Mal vor Augen geführt, was wirklich wichtig für mich ist, nämlich möglichst viele Leser*innen durch meine Geschichten zu erreichen. Es liegt mir am Herzen, meine Leser*innen für ein paar Minuten oder Stunden in eine fremde Welt entführen. Ich möchte, dass sie mit Ares durch den Palast streifen, durch das Dämmerland wandern oder durch die Steppe reiten. Ich wünsche mir nichts sehnlicher, als die Leben meiner Leser*innen mit diesen Abenteuern zu bereichern.


Deshalb habe ich meinen KDP Account geschlossen und habe mein Buch über einen anderen Selfpublisher-Service (Tolino) veröffentlicht. Das Gute daran: Mein ebook wird durch diesen Service automatisch auch an Amazon ausgeliefert, nur können die Amazon-bots meinem Buch nicht länger etwas anhaben.


Mein Ratschlag

Als angehende Self-publisher solltet ihr gut darüber nachdenken, über welche Anbieter ihr eure Bücher veröffentlichen wollt. Macht euch Gedanken darum, was für euch wichtig ist. Wollt ihr schnell ein gutes Einkommen verdienen? Dann ist KDP vermutlich der richtige Weg. Geht es euch hingegen darum, eure Bücher an möglichst viele Leser zu bringen, dann solltet ihr andere Selfpublisher-Services oder sogar traditionelle Verläge in Erwägung ziehen.


Habt ihr Ähnliches erlebt? Dann schreibt mir eure Erfahrungen gerne in die Kommentare! Und falls ihr auf der Suche nach einem guten Anwalt seid, könnt ihr mir jederzeit eine E-Mail schreiben.


Übrigens sind hier die Links zu meinem Buch:


Ich würde mich sehr freuen, wenn ihr mal vorbeischaut!

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